In Deutschland gibt es mittlerweile etliche erfolgreiche Garnelenzüchter. Ob nun als Hobby oder professionell betrieben - die Garnelenzucht wird auch hierzulande immer populärer. Die Trends der Zucht von Zwerggarnelen fürs Süsswasseraquarium wurden bisher überwiegend in den Zucht-Hochburgen Asiens gesetzt: Japan, Taiwan, Singapoure und wie die aquaristisch erfolgreichen Regionen Südostasiens auch immer heissen mögen.
Hier wollen wir ein paar allgemeine Tipps und Infos für die Zucht von Garnelen zusammenfassen.
Grundlagen der Zucht und Pflege
Bei der Fortpflanzung wird zwischen den beiden Typen unterschieden: primitiver Fortpflanzungstyp und spezialisierter Fortpflanzungstyp. Zum ersten Typus gehören etwa die beliebten Amanogarnelen. Die bekannten Bienengarnelen etwa zählen zum spezialisierten Fortpflanzungstyp.
Beim primitiven Typ durchlaufen die Garnelenlarven diverse Entwicklungsstadien bis die Garnelen vollentwickelt leben können. Die Larven benötigen in den ersten Stadien der Entwicklung salzhaltiges Wasser (Brackwasser oder auch Meerwasser). Diese Ansprüche an die Zuchtumgebung ist in der Aquaristik nur mit entsprechendem Aufwand (etwa hinsichtlich Einsatz verschiedener Aquarien, Überwachung und Steuerung des Salzgehalts, Umsetzen der Tiere in andere Becken während der verschiedenen
Entwicklungsstadien, usw.) möglich. Deshalb werden Tiere des primitiven Typs eher selten von Hobbyaquarianern nachgezüchtet und im Handel sind deshalb auch überwiedend Wildfänge oder Nachzuchten aus Tierfarmen zu finden.
Dahingegen stellen Tiere des spezialisierten Typs weniger Ansprüche hinsichtlich der Nachzucht. Diese Art der Garnelenzucht ist mit deutlich weniger Aufwand zu betreiben. Tiere dieses Fortpflanzungstyp lassen nach einer gewissen Tragezeit vollentwickelte Junggarnelen ins Wasser ab. Weibchen befestigen nach der Befruchtung (durch den Samen) von einem Männchen die Eier an den hinteren Schwimmbeinen, befecheln diese mit (sauerstoffreichem) Wasser bis die Larven schlüpfen und solange am Weibchen haften bleiben, bis die Junggarnelen nach einer Tragezeit von wenigen Wochen frei gelassen werden.
Vergesellschaftung im Aquarium
Wenn man die eigenen Nachzuchten durchbringen möchte, müssen / sollten bzgl. der Vergesellschaftung mit anderen Lebewesen im Aqarium einige Dinge berücksichtigt werden.
Garnelen mit Fischen vergesellschaften: grundsätzlich ist es möglich. Wenn man den Garnelennachwuchs nicht als teures (oder zumindest lieb gewonnenes) Lebendfutter für Zierfische sehen möchte, sollte auf Fische mit carnivorer oder auch gemischter carnivorer/ herbivorer Nahrungsaufnahme im selben Becken verzichtet werden. Selbst bei eigentlich reinen Pflanzenfressern kann es vorkommen, daß sich diese unter Umständen an den Junggarnelen vergreifen. Sehr gute Erfahrungen haben Aquarianer bei der gemeinsamen Pflege von Zwerggarnelen und Perlhuhnbärblingen gemacht. Diskus,
Guppy, Platy oder Schwerträger sollten auf keinen Fall gemeinsam gepflegt werden, wenn man den Garnelennachwuchs aufwachsen sehen möchte ;-). Wenn es sich nicht vermeiden läßt - aus welchen Gründen auch immer - und Garnelen mit feisch- oder insektenfressenden Zierfischen im Aquarium gemeinsam leben, sollte auf eine starke / dichte Bepflanzung des
Beckens geachtet werden. Gute Versteckmöglichkeiten bieten Moose (z.B.
Javamoos) oder Pflanzen der
Gattung Cabomba und Hornkraut. Je dichter das Aquarium bepflanzt ist, desto mehr Verstecke können junge Zwerggarnelen aufsuche um sich so vor Fressfeinden zu schützen.
Garnelen gemeinsam mit Krebsen oder Krabben in einem Aquarium zu halten ist möglich, wenn u.a. die Bepflanzung des Auariums genügend Versteckmöglichkeiten bietet. Grundsätzlich läßt sich jedoch festhalten, daß die Mehrzahl der Krebse die meist deutlich kleinere Zwerggarnelen gerne als Zusatzfutter ansehen und darin eine schöne Abwechslung im Speiseplan sehen und sich so eine zusätzliche Eiweißquelle erschließen.
Pflegen von Schnecken und Zwerggarnelen stellt grundsätzlich kein Problem dar. Garnelen und Schnecken können sich auch ergänzen, beispielsweise wenn es um nicht gefressenes Futter am Bodengrund geht. Futterreste verderben teilweise relativ schnell und können das Aquarienwasser belasten. Futterreste im Aquarium: nicht gefressenes Zierfischfutter, Futtertabletten oder Futtergranulate für Wirbellose oder Zierfische verderben und bieten eine gute Basis auch für Algenwachstum. Damit können faulende Futterreste sowohl aus Sicht der Aquarienpflege wie auch aus gesundheitlichen Gründen eine Rolle im Aquarium spielen.
Wasserqualität - regelmäßige Wasserwechsel
Auf die Qualität des Aquarienwassers sollte unbedingt entsprechender Wert gelegt werden. Im Rahmen regelmäßiger Wasserwechsel bzw. Teilwasserwechsel sowie dem
obligatorischen vorherigen Absaugen des Bodengrunds mit entsprechender Vorrichtung (Schlauch, Eimer und Saugglocke) können übriggebliebenes Garnelenfutter, Fischkot und abgestorbene Pflanzenteile beseitigt werden. Wer sich bei dieser "Arbeit" Unterstützung holen möchte, sollte Aquariumschnecken wie etwa Posthornschnecken oder Apfelschnecken ins Aquarium setzen. Sich im Boden eingrabende Turmdeckelschnecken helfen nicht nur den Bodengrund zu reinigen, sondern auch den Aquarienkiesaufzulockern. Aufgelockerter Aquarienbodengrund ist förderlich für das Wachstum von Aquarienpflanzen.
Wasserwerte
Eine besondere Rolle spielt auch hier die Wasserqualität. Abhängig von der Herkunft der Tiere. In den Gewässern (Flüsse, Seen) in denen die Wildformen der Zwerggarnelen beheimatet sind herrschen unterschiedliche Wasserparameter. Je nach gepflegter Garnelenart sollten vorher die Parameter der Herkunftsbiotope ermittelt und weitestgehend nachempfunden werden.
Temperatur im Aquarium
Die Aquarientemperatur hat sowohl Einfluss auf das Wohlbefinden der Zuchttiere wie auch auf die Häufigkeit der Reproduktion. Einige Garnelen wie z.B. Arten der Gattung Neocaridina benötigen zur Nachzucht Temperaturen im Bereich von 20 bis 25 Grad Celsius (diese Werte schwanken je nach Art, auch hier sollten die genauen Werte ermittelt werden). Temperaturschwankungen sind in den Herkunftsgebieten insbesondere in den Regenzeiten an der Tagesordnung. So kann ein Fluss oder See nach einem starken abkühlenden Regenschauer einige Grad-Celsius in der Temperatur fallen.
Hier sind ein paar Temperaturbereiche (in Grad Celsius) für ein paar bekannte Arten aufgelistet:
Neocaridina - Arten:
Red Fire / Red Cherry sowie die gelbe Zuchtform Yellow Fire (
gelbe Garnele) 18 bis 25 Grad
White Pearl 20 bis 28 Grad
Caridina - Arten:
- schwarze Tigergarnelen "Tiger Black" 23 bis 27 Grad
- Amanogarnelen (C. japonica) 23 bis 27 Grad
- Crystal red Bienengarnelen 22 bis 25 Grad
Das
Verhältnis von Männchen zu Weibchen sollte im Zuchtbecken ausgeglichen sein. Grundsätzlich kann es nie schaden, wenn mehr männliche als weibliche Zuchttiere im Aquarium vertreten sind.
Mittlerweile bieten Hersteller für das Wirbellosen-Segment in der Aquaristik
spezielle Futtermittel an. Granulate, Tabletten, Pellets für Wirbellose sind bei jedem gut sortieren Fachhändler zu finden. Diesem Spezial-Futter sind häufig Vitamine und Spurenelemente beigefügt, die speziell auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Arten zusammengestellt werden. Die Industrie hat den Haustierbereich speziell im Themenkomplex Wirbellose keineswegs verschlafen. So sind mittlerweile in den Regalen der
Einzelhändler etliche Spezialfuttermittel für wirbellose Aquarienbewohner von den meisten Markeproduzenten platziert.
Selbst hergestelltes Futter
Will man selbst darüber bestimmen, welche Inhaltsstoffe im Garnelenfutter wie und in welcher Konzentration verarbeitet sind, muss man auf Eigenproduktion setzen.
Futtermittel selbst herstellen ist gar nicht schwer. Zumindest wird dies immer beliebter. So gibt es Berichte über die Verfütterung von getrockneten Hokkaido-Kürbis oder Brennnesseln an Wirbellose im Aquarium. Das Verfüttern von Kräutern und Gemüse in Rohform wird schon lange praktiziert. So sind Maiskörner, Erbsen, Gurkenscheiben, überbrühter Spinat oder Karotten gerne verfütterte Gemüsesorten. Karotten (ebenso wie der bereits erwähnte Kürbissorte Hokkaido) enthalten große Mengen des für die Farbgebung der Wirbellosen mitverantwortlich zeichnenden Carotins. Das Vitamin Carotin ist häufig auch in industriell hergestelltem Fischfutter
beigemischt.
Zubehör fürs Garnelenaquarium
Kleine engmaschige Käscher und ein geschützter Filtereinlauf sind ein absolutes Muss im Garnelenaquarium: junge Larven wie auch ausgewachsene Tiere können sich im Filter "verirren" und dort verenden. Von Vorteil sind luftbetriebene Filter mit Schwämmen, wie beispielsweise HMF Hamburger Mattenfilter. Bei diesen Innenfiltern besteht erst gar nicht die Gefahr, daß sich die Tiere im Filter verfangen und im Filtermotor verenden. Sofern Aussenfilter eingesetzt werden, muss unbedingt darauf geachtet werden, daß sich keine Tiere - auch nicht die zum Teil wenige Millimeter kleine Junggarnelen - in den Filtereinlauf verirren können. Deshalb sollten auf das Filtereinlaufrohr am besten kleinporösige Schwämme oder auch spezielle im Einzelhandel erhältiche Filterstrümpfe angebracht werden.
Viele namhafte Hersteller für Aquaristikprodukte haben den Trend in diesem Bereich erkannt und darauf bereits reagiert. So können etwa Nano-Aquarien speziell für diesen spannenden Bereich des Aquaristik-Hobbys mit sämtlichen Zubehör gekauft werden. Das fängt an bei dem Nano-Aquarium in verschiedenen "Mini"-Größen, gefolgt von spezieller Aquarium Beleuchtung, besonderem Aquarienkies für das Nanobecken, Spezialfutter in kleinen Futterdosen (z.B. 100 ml Gebinde) sowie
Wasseraufbereitungsmittel, Pflanzendünger im Aquarium und sonstigen chemisch / biologischen Spezialmittelchen fürs Mini-Becken.
Ein Thermometer muss auch in jedem Zuchtbecken angesiedelt sein, um so gegebenenfalls die optimalen Temperaturen zu justieren.
Fürs Nanoaquarium oder das Garnelenbecken darf also folgendes Zubehör nicht fehlen:
- Thermometer zur Überwachung der Zuchttemperaturen
- Aquarienkies (möglicherweise auch feiner Sand - je nach gezüchteter Garnelenart)
- kleine (Mini)Käscher zum Auslesen besonderer Tiere und zum Umsetzen von Jungtieren in eigene Nachzuchtbecken
- ein geschützter Filterzulauf bzw. Filter die keine Garnelenlarven einsaugen und auch nicht für die Elterntiere gefährlich werden
- Hochwertiges Garnelenfuter: abwechslungsreich Füttern, am besten Futtermittel mit hochwertigen und gesunden Inhaltsstofen
- Pflanzen im Nanoaquarium zum Verstecken
- spezielles Wasseraufbereitungsmittel für Wirbellosebecken (wenn es sich nicht vermeiden läßt)
Auslese von Zuchtgarnelen
Die Hochzucht von Garnelen basiert neben der Schaffung optimaler Zuchtbedingungen im Aquarium auch auf der Erfahrung des Aquarianers. Erfolgreiche Züchter betreiben eine gezielte Zuchtauslese um nur Tiere mit besonderen Eigenschaften (wie etwa der Farbe, Abgrenzung von Farbmuster, Anzahl der Farbringe, Größe uvm.) zu vermehren.
Hier sei etwa auf Red Bee Garnelen verwiesen, die in Japan als Zuchtform aus einer Krezung zwischen der bisher bekannten Crystal Red Bienengarnele und der Hummelgarnele hervorgebracht wurde. Mittels aufwändiger Selektion wurden so von unterschiedlichen japanischen Garnelenzüchter über viele Generationen hinweg verschiedene Red Bee Zuchtformen erschaffen, die ihren Siegeszug über die verschiedenen Länder hinweg eingehalten haben und mittlerweile auch von deutschen Aquarianern erfolgreich gepflegt und nachgezüchtet werden.
Trends in der Wirbellosenszene
Auch in diesem Bereich der Garnelenaquaristik bzw. Wirbellosenaquaristik sind Züchter aus Asien und Südostasien besonders erfolgreich. Immer wieder erscheinen aus asiatischen Zuchtbetrieben und Hobbzüchtern neue Zuchtformen mit besonders intensiven Farben, speziellem Muster und besonders schön abgegrenzten Farbbereichen.
Geheimnisse asiatischer Züchter
Die dunkelsten Geheimnisse und genaue Informationen zum Spezialwissen asiatischer Garnelenzüchter werden wohl auch in Zukunft nicht öffentlich verfügbar sein.
Die akurate und beständige Selektion von hochwertigen Zuchttieren und die kontinuierliche Arbeit an der Verbesserung der Zuchtbedingungen sind mitunter ein Garant für den Erfolg in der Hochzucht. Für diese Beständigkeit und Genauigkeit in der Arbeit sind Asiaten bekannt. Hier dürfte wohl eines der Erfolgsgeheimnisse in der Garnelenzucht liegen.
Weniger ein Geheimnis sind die der Mitteleuropäischen Wetterlage besseren klimatischen Gegebenheiten in Asien. So herrscht dort in weiten Regionen das Jahr über besseres und wärmeres Wetter.
Zuchtfarmen vs. Hobbyzucht
In Zuchtfarmen werden Garnelen im großen Stil gezüchtet. Inwiefern bei dieser industriellen Form der Zucht auf den Einsatz von Medikamenten gesetzt wird, kann von außen betrachtet nur schlecht beurteilt werden. Krankheiten vorzubeugen ist eine wichtige Aufgabe bei der industriellen Zucht. Dass es bei der Massenzucht in großen Teichanlagen und riesigen Zuchtbecken beim Auftreten von Krankheiten zu sehr kostpieligen - wenn nicht gar existenzbedrohenden - Ausfällen kommen kann ist nicht wegzudenken. Um die Eintrittswahrscheinlichkeit solcher Ausfallrisiken zu verringern, werden zumeist besondere Filteranlagen eingesetzt und die Hygiene in den Zuchtbecken muss bestimmten Standards entsprechen.
Japan tut sich besonders hervor, wenn es um die Setzung von Trends in der Aquaristik geht. Aus Japan stammen viele bekannte und mittlerweile weltweit beliebte Tiere wie z.B. die Amanogarnelen (Caridina japonica) benannt nach Takashi Amano. Amano hat sich nebene der Zucht und Bestimmung von Wirbellosen einen über die japanischen Landesgrenzen weit hinausreichenden Namen mit der Gestaltung von Naturaquarien geschaffen.
Aus der Hand von japanischen Garnelenliebhabern stammen wie bereits erwähnt auch die seit einigen Jahren in Deutschland weit verbreiteten Red Bee Hochzuchtgarnelen.
Erfolgreiche Züchter gibt es mittlerweile aber auch in Europa. Die Erfolge von Garnelenzüchtern aus Deutschland können beispielsweise auf Leistungsschauen wie etwa dem mittlerweile zweimalig in Hannover ausgetragenen Garnelenchampionat begutachtet werden. Dort präsentierten sich im Jahr 2009 und 2010 Hobbyzüchter und kommerziell züchtende Aquarianer mit eigenen Hochzuchttieren, die den Nachzuchten asiatischer Topzüchter keineswegs in der Qualität nachstanden.
Etliche in der Wirbellosenszene bekannte Aquarianer sind auf meine-fischboerse.de mit eigenen Kleinanzeigen, Stocklisten und Einträgen im Webverzeichnis vertreten und bieten hier ihre Nachzuchten zum Verkauf an.
Die Hobbyzucht - also die Zucht im Kleinen - ist wohl eher in Deutschland angesiedelt. Große Zuchtfarmen wie in Asien sind aufgrund der klimatischen Verhältnisse
weniger bis kaum vertreten. Die Aussage "Zucht im Kleinen" relativiert sich etwas, wenn man bedenkt, daß es durchaus Zuchtanlagen in Deutschland mit mehreren 10.000 Liter gibt, in denen auch mehrere 1000 Garnelen gepflegt und gezüchtet werden.
Zusammenfassend lässt sich folgendes zum Thema Garnelenzucht festhalten...
- optimale Zuchtverhältnisse im Aquarium analog zum Herkunftsgebiet nachstellen
- Temperaturen, Temperaturschwankungen, Wasserwerte der Herkunftsbiotope bestmöglich nachempfinden
- Artenbecken sind Gesellschaftsbecken vorzuziehen
- richtiges bzw. ausgewogenes Geschlechterverhältnis beachten. Meist ist es von Vorteil mehr Weibchen als Männchen zu halten.
- die Ansprüche an die Ernährung beachten, der Einsatz qualitativ hochwertiger und gesunder Futtermittel sollte Billigprodukten vorgezogen werden
Ankündigung: In einem demnächst hier erscheinenden Artikel werden wir auf die Zucht von Krebsen näher eingehen.