Hallo Frau Theys,
schön, daß Sie die Zeit gefunden haben und an unserer Interviewreihe "ein paar Fragen an ..." teilnehmen.
Erzählen Sie uns doch vorab ein bisschen über sich. Wann sind Sie das erste mal mit dem Thema Aquaristik in Verbindung gekommen?
Hallo Herr Meißner, vielen Dank für Ihr Interesse. Jetzt finde ich erst die Zeit, Ihnen Ihre Fragen zu beantworten.
Das Thema Aquaristik hat mich schon in meiner Kindheit interessiert. Jedoch durfte ich nie ein eigenes Aquarium haben. Andere Tiere, wie Kanarienvögel, Schildkröten, Kaninchen und vor allem Schäferhunde begleiteten mich fast mein ganzes Leben.
Damals wohnte ich noch in Bayern. Ich selbst bin gelernte Bankkauffrau und meine Leidenschaft für Aquaristik ist mir geblieben.
Als ich meine erste eigene Wohnung hatte, war ein eigenes kleines 60er-Aquarienset eine meiner ersten Anschaffungen. Ein einfaches Becken mit gemischtem Besatz, der nach heutiger Sicht überhaupt nicht artgerecht zusammen gestellt war. Denn mir wurden auch die wunderschönen gelben Malawi-Barsche Labidochromis caeruleus Yellow dafür verkauft. Diese sind wirklich sehr friedlich auch zu Neons und Guppys. In dieser Hinsicht hatte der Verkäufer Recht. Diese Maulbrüter fühlten sich auf jeden Fall so wohl, dass sie regelmäßig Junge austrugen, die ich dann aufzog. Nun in Kurzform: Ein großes 500-Liter-Becken kam, danach eine Malawi-Zuchtanlage und es entstand daraus am Ende ein Aquaristik-Großhandel, den es heute noch gibt, auch wenn ich selbst nicht mehr dabei bin.
Erst nach vielen Jahren Süßwasser-Aquaristik kam ich 2002 zur Meerwasser-Aquaristik. Damals wohnte ich in Thüringen, in Bad Berka, Nähe Weimar und Erfurt.
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Meerwassertiere
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Wo liegt Ihr Schwerpunkt in der Meerwasseraquaristik und welche Tiere züchten Sie vorwiegend?
Mein Spezialbereich in der Meerwasser-Aquaristik ist die Liebe zu den Seepferdchen und ihren Verwandten wie z.B. den Seenadeln. Dies geht so weit, dass ich hier weltweit einmalig die brasilianischen Riesen-Seepferdchen nun schon in der siebten Generation züchte.
Foto: Seepferdchen Aquarium - Zuchtanlage, Copyright Elena Theys
Wie kamen Sie auf die Idee Seepferdchen zu züchten?
Angefangen hat alles mit einem einfachen Meerwasser-Gesellschaftsbecken und wenig niederen Tieren. In einer Ecke des Beckens wuchs Caulerpa (eine erwünschte Meerwasseralge).
Genau genommen wollte ich hier nie mehr irgendwelche Tiere züchten. Die Freude an den Bewohnern reichte mir aus. Nun kam das Schicksal: Ich fuhr 2004 zu meinen Eltern. Es war ein lausig kalter Januartag und ich hatte etwas Zeit, bis ich in Augsburg abgeholt wurde. Diese Zeit nutzte ich für einen Stadtbummel und natürlich den Besuch in einem Aquaristikgeschäft. Dort sah ich zwei große, orange Seepferdchen, die ich erst für künstlich hielt. Nach einiger Zeit sah ich, dass sich die Augen bewegten und es war um mich geschehen. Nach ein paar Tagen und einigen Recherchen zur Haltung nahm ich das Seepferdchen-Pärchen in einer Styrobox mit dem Zug zu mir nach Visselhövede, genau genommen Drögenbostel in Niedersachsen.
Bis dahin wollte ich sie einfach nur in dem bestehenden Aquarium halten. Da es sich um Wildfänge handelte, war der anfängliche Aufwand, passendes Lebendfutter zu besorgen recht groß. Mit der Zeit nahmen sie das Frostfutter an und begannen, sich zu paaren und Junge zu bekommen. Fast zur gleichen Zeit wurde der Artenschutz und somit die Cites-Pflicht für Seepferdchen eingeführt. Ich musste die Tiere deshalb bei der Naturschutzbehörde anmelden. Eigentlich eine leichte Sache – dachte ich. Mir war ja ein lateinischer Name gesagt worden. Irrtum. Die Recherche ergab: Hippocampus erectus sehen anders aus. Sicher war, sie kamen aus Brasilien. Den einzigen Hinweis auf meine Seepferchen fand ich im Buch von Rudie H. Kuiter "Seepferdchen, Fetzenfische und Ihre Verwandten". Er beschrieb eine Art aus Brasilien, die doppelt so groß wie die üblichen Hippocampus reidi ist und diesen recht ähnlich sieht. Verbreitung und Vorkommen war zu dieser Zeit noch völlig ungewiss.
Somit war endlich klar. Hier war etwas Besonderes - ich nenne sie Hippocampus Elena - und die Aufzucht der brasilianischen Seepferdchen galt als schwierig bzw. unmöglich – was mehrere Forscher auch schon versucht haben und daran scheiterten.
Da ich damals Zeit hatte, nahm ich die Herausforderung an und entwickelte in monatelanger Recherche eine eigene Anreicherung, mit der die Seepferdchen endlich heranwuchsen. Die jetzt über sechs Jahre alten Seepferdchen kamen per Kaiserschnitt zur Welt. Aber das ist eine andere, lange Geschichte.
Das Interview mit der Seepferdchen Züchterin Elena Theys haben wir in mehrere einzelne Artikel aufgeteilt. Hier können Sie die weiteren Fragen und Antworten lesen:
Teil 2 -
Seepferdchen Förderverein e.V. zum Schutz von Seepferdchen
Teil 3 -
Aquarium und Seepferdchen
Teil 4 -
Seepferdchen und Meer