Hallo Herr Bayer,
vielen Dank dafür, dass Sie sich die Zeit nehmen und an unserer Interview-Reihe "Ein paar Fragen an..." teilnehmen.
Wie haben Sie den Weg zur Aquaristik gefunden, bzw. wann haben Sie sich das erste mal intensiver mit dem Thema Aquaristik beschäftigt?
Mit der Aquaristik beschäftige ich mich schon über 20 Jahre - mein Vater hat mir damals in der ersten Klasse ein 20 Liter Becken und 4 Guppies gekauft.
Nachwuchs lies nicht lange auf sich warten und somit war ich mit dem Fischvirus infiziert ;-)
Die Zucht exotischer Zierfische
Wie lange schon züchten Sie exotische Zierfische?
Gleich nach der ersten Zufallszucht wurde ein weiteres Becken hinzugefügt und bereits als 4. oder 5. Klässler hatte ich einen Kellerraum mit ca 20 Becken!
Wo liegt hier der Schwerpunkt?
Aktuell züchte ich v.a. Diskus,Skalare und Apistogrammas sowie L-Welse. Dieses Jahr soll noch mal erweitert werden und auch Corydoras, Apistogrammas und v.a. große LWelse hinzukommen.
Auf welche Zuchterfolge sind Sie persönlich besonders stolz?
Besonders stolz bin ich natürlich auf die Zuchterfolge mit Diskusfischen. V.a. mit einem Bluefaceheckel und einem Albino Diskus und auch auf meine Albino-Diskusvarianten.
Mit welchen Tieren hatten Sie bisher die meisten Erfolge bei der Nachzucht?
Das sind ganz klar die Skalare - die züchte ich ja schon seit ca 15 Jahren!
Der Import von Diskus und L-Welsen aus Südamerika
Familienbetrieb IEZ Bayer
Wann haben Sie sich entschieden, selbst Tiere aus anderen Ländern zu importieren und die Zucht und den Verkauf von Zierfischen professionell sowie in größerem Umfang zu betreiben?
Den ersten Import machte ich als 11.Klässler also vor ca 10 Jahren (im alter von knapp 18 Jahren, damas hatte ich bereits einen Anlage von ca 50 Aquarien in 3 Räumen).
Damals waren es v.a. afrikanische Buntbarsche.
Ab da ging es richtig los - alle paar Wochen zum Flughafen. Das war noch per Mitimport zu der Zeit.
Die ersten Südamerika Importe kamen dann vor ca 6 Jahren und mit fast 22 Jahren habe ich mich dann entschieden mein Hobby zum Beruf zu machen.
Foto: in Iquitos am Nanay beim Fischfang (Bild 1), Copyright IEZ Bayer
Seitdem wächst die Anlage ständig und auch meine Eltern, mein Schwager und mein Cousin sind schon seit längerem fest mit im Team von IEZ Bayer dabei und unterstützen mich - allein wäre das alles nicht mehr machbar!Gerade in den Wintermonaten kommen ca. 4-6 Importe pro Monat!
Foto: in Iquitos am Nanay beim Fischfang (Bild 2), Copyright IEZ Bayer
Wo liegen Ihre Schwerpunkte im Bereich Import? Aus welchen Regionen der Erde beziehen Sie Ihre überwiegend?
V.a. aus Südamerika ( Brasilien, Peru, Kolumbien,Venezuela) und bei Bedarf auch aus Asien.
Foto: in Iquitos am Nanay beim Fischfang (Bild 3), Copyright IEZ Bayer
Fische aus Südamerika importieren
Wie verläuft ein Import?
Um einen Import zu planen braucht man viel Zeit. Auch muss alles gut abgestimmt werden mit den Fängern und Lieferanten im Ausland. Sehr wichtig-gerade nach Brasilien - ist es portugiesisch sprechen zu können,weil in Brasilien fast niemand eine andere Sprache spricht.
Anfangs konnte ich das kaum glauben! Ich bin jeden Tag froh darüber,dass ich mich damals entschieden habe an der Uni diese Sprachkurse zu absolvieren. Das ist auch ein Hauptgrund dafür,dass meine Lieferanten mir auch genau das schicken was ich brauche und meine Importe nicht wie bei manch anderen Importeuren ein Glücksspiel sein kann. Früher bei Mitimporten wusste ich nie so genau was die in Brasilien eingepackt hatten...
Foto: Matthias Bayer in Peru(Iquitos) mit L-24 auf der Hand, Copyright IEZ Bayer
Gerade wenn man seltene Fische importieren will, geht alles recht langsam voran - ich bestelle ja nicht einfach nach Liste wie manch andere Importeure in Europa, sondern lasse mir die Fische fangen die ich brauche, deswegen kommt es immer wieder zu Verzögerungen und Verschiebungen. Das kann teilweise sehr nervenaufreibend sein! Allerdings haben die Fische nur eine kurze Zeit in Gefangenschaft in Südamerika und kommen schon wenige Tage nach dem Fang zu mir in die Anlage.
Foto: L-14 Wels in Belem, Copyright IEZ Bayer
Arbeiten Sie vor Ort mit einheimischen Exporteuren und Fangstationen zusammen?
Ja klar! In Belem habe ich mit einem Partner eine professionelle Anlage und in Manaus mehrere Fänger die ich in bestimmte Gebiete schicken kann um für mich dort Fische zu fangen.
Ebenso in Peru - dort habe ich zwei zuverlässige Lieferanten und in Kolumbien wohnt ein guter Freund von mir, der sich v.a. um die Organisation von den sehr seltenen L-Welse aus Brasilien kümmert !
Besuchen Sie die Fanggebiete persönlich?
Ja! Zuletzt war ich im Oktober und November 2010 in diesen 3 Ländern und habe den Fängern einige Tipps zur Hälterung der Tiere gegeben, neue Kameras mitgebracht und die Anlage in Belem etwas umbauen lassen, sowie 2 Fangreisen unternommen.
Foto: "Fangstation" in Marabá am Rio Tocantin, Copyright IEZ Bayer
Foto: SaoFelix am RioXingo, Copyright IEZ Bayer
Auf welche Schwierigkeiten stoßen Sie, insbesondere beim Import aus südamerikanischen Ländern?
Das größte Problem ist, dass aus Brasilien viele Fische nicht mehr exportiert werden dürfen und die IBAMA uns oft große Hürden baut. In Zukunft wird das sicherlich noch schwieriger werden!
Zierfischexporte nach Europa und Asien
Sie verkaufen an den autorisierten Einzelhändler im In - und Ausland. In welche Länder exportieren Sie?
Aktuell senden wir unsere Fische v.a. nach Deutschland, Österreich, Ungarn, Polen und Tschechien. Jedoch haben wir auch einige Kunden in Kroatien, Italien, Frankreich, Belgien, Holland und der Schweiz. Nach Asien wird direkt von Südamerika aus geschickt.
Ihre Hälterungsstation und Zuchtanlage
Wie viele Aquarien pflegen Sie?
Aktuell sind es ca 350 Becken
Wie sieht die Technik (Filter, Bewässerung, Beleuchtung, etc.) in Ihrer Hälterungsstation aus? Welche Technik wird eingesetzt?
Alle Becken werden per Einzelfilterung mit Schwammfiltern betrieben und geheizt wird über das Wasser ( täglich werden große Wasserwechsel mit 30Grad warmen und bereits mehrere Tage belüfteten Wasser gemacht ) zusätzlich herrscht in der ganze Anlage eine konstante Temperatur von 30 Grad und zur Absicherung sind nun in fast allen Becken zusätzlich noch Heizer eingebaut, falls es mal Probleme mit der Heizung geben sollte.
Wie viele unterschiedliche Fischarten und welche bieten Sie überwiegend zum Verkauf an?
Bei uns ist JEDER Fisch aus Südamerika zu bekommen !
Ständig schwimmen ca. 40-50 Arten L-Welse, 5-10 Sorten Salmler und 10-20 Arten Corydoras sowie 5-10 Apistogrammassorten und natürlich Diskuswildfänge und Skalare von den unterschiedlichsten Fangorten bzw. Zuchtvarianten bereit !
Dazu kommen noch Piranhas, Rochen , Raubwelse und und und...
Gerade an Diskuswildfängen gibt es weltweit nur ganz wenige Händler die eine solch große Anzahl an wirklichen Top-Diskuswildfängen anbieten können !
Zu Ihren Öffnungszeiten: Wann können sich Interessenten die Tiere bei Ihnen vor Ort persönlich ansehen?
Besuche sind wegen der vielen Importe nur nach telefon. Vereinbarung möglich!
Welche Tiere finden Sie persönlich am interessantesten?
Mein Lieblingsfisch zur Zucht ist ganz klar der Skalar und der Diskus! Aber auch die seltenen L-Welse gefallen mir sehr - eigentlich mag ich alle Fische - sonst würde ich das wohl auch nicht in diesem Stile betreiben! Aber zum Glück habe ich viele Aquarien und muss mich somit nicht auf wenige Arten beschränken ;-)
Welche Trends zeichnen sich für Sie ab bzw. in welche Richtung denken Sie, wird sich die Aquaristikbranche in naher bis mittlerer Zukunft entwickeln ( Thema Importbeschränkungen, deutsche/europ. Nachzuchten, verstärkter Absatzkanal Internet, Konkurrenz aus dem Ausland, usw.) ?
Ich merke,dass die Leute immer mehr dazu übergehen sich für gute Qualität zu interessieren.
Nur noch selten bekomme ich Anrufe bei denen als erstes nach dem Preis gefragt wird. Den meisten Leuten ist es mittlerweile sehr wichtig,dass sie gute und gesunde Fische bekommen,dann sind sie auch bereit eine weite Anfahrt in Kauf zu nehmen.
Qualität und Service sind sehr wichtig!
Durch die gute Qualität und die seltenen Fische die ich anbieten kann habe ich zum Glück nur ganz wenig Konkurrenz - das macht es relativ einfach für mich.
Ohne Internet wäre das ganze natürlich nicht machbar - allein schon die Kommunikation nach Südamerika wäre undenkbar bzw. würde alles um Monate verzögern. Aber auch zu Werbezwecken ist das Internet unverzichtbar geworden gerade in einer Zeit wo alles sehr schnell gehen muss.
Wir danken Ihnen für das Interview und wünschen Ihnen für die Zukunft weiterhin viel Erfolg!